Wie eine falsche Diagnose das eigene Leben verändern kann
Eine Diagnose kann Orientierung geben. Sie kann erklären, entlasten und Wege aufzeigen. Doch was passiert, wenn eine Diagnose vorschnell gestellt wird – und am eigentlichen Kern vorbeigeht? In diesem Gespräch mit Leonie Winter wird deutlich, wie tiefgreifend die Folgen einer falschen Zuschreibung sein können, besonders dann, wenn körperliche Symptome vorschnell als rein psychisch eingeordnet werden.
Wenn Symptome nicht ganzheitlich betrachtet werden
Leonie beschreibt einen langen Weg durch das medizinische System. Erschöpfung, Angstzustände und ein tiefes Gefühl innerer Unruhe bestimmten ihren Alltag. Die Diagnose einer psychischen Erkrankung kam schnell, fast routinemäßig. Was fehlte, war ein umfassendes Hinschauen. Körperliche Ursachen wurden nicht ausreichend geprüft, Zusammenhänge nicht weiterverfolgt.
Eine Diagnose kann damit zu einem Filter werden: Alles, was ein Mensch erlebt, wird durch dieses eine Etikett interpretiert. Für Leonie bedeutete das, dass ihre Wahrnehmung zunehmend infrage gestellt wurde – auch von ihr selbst.
Der stille Verlust des Selbstvertrauens
Besonders eindrücklich ist Leonies Beschreibung dessen, was nach der Diagnose geschah. Nicht nur Therapien und Medikamente prägten ihren Alltag, sondern vor allem eine schleichende Entfremdung von sich selbst. Das Vertrauen in den eigenen Körper ging verloren. Empfindungen galten nicht mehr als Hinweise, sondern als Symptome.
Dieser Prozess verläuft oft leise. Nach außen funktioniert man weiter, innerlich wird die Verbindung zu sich selbst immer schwächer. Erst viel später stellte sich heraus, dass viele der Beschwerden eine körperliche Ursache hatten, die über Jahre hinweg nicht erkannt worden war.
Wenn „psychisch“ zum Deckel wird
Leonie beschreibt die Diagnose rückblickend als eine Art Deckel. Einmal geschlossen, wurde darunter nicht mehr weitergesucht. Für Betroffene kann das bedeuten, dass notwendige medizinische Abklärungen ausbleiben. Gleichzeitig entsteht ein Gefühl von Ohnmacht: Wer widerspricht schon einer fachlichen Einschätzung, wenn man selbst zunehmend verunsichert ist?
Der Vertrauensverlust betrifft dabei nicht nur das System, sondern auch das eigene innere Erleben. Viele Betroffene beginnen, ihre Wahrnehmung zu relativieren oder ganz zu unterdrücken.
Die Rückkehr zur eigenen Wahrnehmung
Heute sagt Leonie klar: Die eigene Wahrnehmung darf ernst genommen werden. Eine Diagnose ist kein endgültiges Urteil, sondern eine Arbeitshypothese. Sie darf überprüft, hinterfragt und – wenn sie sich nicht stimmig anfühlt – auch korrigiert werden.
Heilung beginnt für sie dort, wo Menschen wieder in Kontakt mit sich selbst kommen dürfen, jenseits von Etiketten und vorschnellen Erklärungen. Das bedeutet nicht, psychische Erkrankungen zu relativieren, sondern den Blick zu weiten und den ganzen Menschen zu sehen.
Dieses Gespräch ist Teil einer Podcastfolge, in der Leonie Winter ihre Erfahrungen ausführlich teilt und Einblicke in ihren persönlichen Weg zurück zu mehr Selbstvertrauen gibt.
Zwei Fragen zur Reflexion
Wann hast du zuletzt gespürt, dass deine innere Wahrnehmung nicht ernst genommen wurde?
Was würde sich verändern, wenn du deinen Empfindungen wieder mehr Vertrauen schenken würdest?

