Du darfst überfordert sein
Es gibt Phasen im Leben, in denen alles zu viel wird. Nicht auf dramatische Weise, sondern leise und schleichend. Der Alltag funktioniert noch, die Aufgaben werden erledigt, nach außen scheint alles stabil. Und doch ist da dieses innere Gefühl von Enge, von Müdigkeit, von einem ständigen inneren Druck. Genau hier beginnt Überforderung – oft unbemerkt, oft unbeachtet.
Gerade hochsensible und reflektierte Frauen kennen diesen Zustand gut. Sie tragen Verantwortung, denken mit, fühlen tief und nehmen wahr, was andere übersehen. Überforderung entsteht in diesen Fällen nicht aus Schwäche, sondern aus anhaltender Präsenz und innerer Beteiligung.
Warum Überforderung kein Zeichen von Versagen ist
Überforderung wird häufig falsch interpretiert. Sie gilt als etwas, das man überwinden oder kontrollieren muss. Doch in Wahrheit ist sie ein ehrliches Signal des Systems. Sie zeigt an, dass zu viele Anforderungen gleichzeitig wirken – innerlich wie äußerlich.
Viele Frauen haben gelernt, ihre eigenen Grenzen infrage zu stellen, statt die Umstände zu betrachten. Sie vergleichen sich, relativieren ihre Erschöpfung und funktionieren weiter. Langfristig führt das jedoch nicht zu mehr Stärke, sondern zu innerer Distanz und Erschöpfung.
Die leisen Formen der Überforderung
Nicht jede Überforderung äußert sich sichtbar. Oft zeigt sie sich in subtilen Veränderungen: einer geringeren Belastbarkeit, erhöhter Reizbarkeit oder dem Gefühl, innerlich ständig unter Spannung zu stehen. Auch der Verlust von Freude an Dingen, die früher leicht waren, kann ein Hinweis sein.
Diese leisen Signale ernst zu nehmen, ist ein wichtiger Schritt. Denn Überforderung verschwindet nicht, wenn man sie ignoriert. Sie wird lediglich tiefer verlagert.
Anerkennen statt wegdrücken
Der Wendepunkt liegt nicht im Durchhalten, sondern im Anerkennen. Überforderung braucht kein Urteil, sondern Aufmerksamkeit. Die ehrliche Frage, was gerade zu viel ist, öffnet einen Raum für Veränderung.
Dabei geht es nicht um radikale Entscheidungen. Oft sind es kleine, bewusste Anpassungen, die Entlastung bringen: klarere Prioritäten, realistischere Erwartungen oder das Zulassen von Unterstützung.
Ein anderer Umgang mit den eigenen Grenzen
Sich einzugestehen, überfordert zu sein, ist kein Rückschritt. Es ist ein Akt von Selbstachtung. Wer die eigenen Grenzen wahrnimmt, kann langfristig stabiler, klarer und präsenter sein – für sich selbst und für andere.
Überforderung kann so zu einem Hinweis werden, der zurückführt: zu mehr innerer Klarheit, zu einem achtsameren Umgang mit der eigenen Energie und zu einem Leben, das sich wieder stimmiger anfühlt.
Wenn du tiefer in dieses Thema eintauchen möchtest, findest du in der dazugehörigen Podcast-Episode weitere Gedanken und persönliche Einordnungen, die diesen Prozess unterstützen können.
Zwei Fragen zur Reflexion
Wo erlaube ich mir aktuell noch nicht, ehrlich hinzuschauen?
Was würde sich verändern, wenn ich meine Überforderung ernst nehme statt sie zu bewerten?

