Es tut weh, das zu hören – aber du musst es hören

Es gibt Wahrheiten, die wir lange umgehen können. Nicht, weil wir sie nicht kennen, sondern weil sie unbequem sind. Weil sie etwas von uns verlangen würden. Veränderung, Ehrlichkeit, Verantwortung. Gerade hochsensible Frauen sind oft sehr fein darin, diese Wahrheiten zu spüren – und sie gleichzeitig beiseitezuschieben.

Viele der Frauen, die zu mir kommen, sind reflektiert, aufmerksam und innerlich wach. Sie haben ein gutes Gespür für Stimmungen, für Zwischentöne, für das, was nicht ausgesprochen wird. Und dennoch bleiben sie häufig in Situationen, die sie erschöpfen. In Beziehungen, die sie klein machen. In beruflichen Rollen, die sie überfordern. In familiären Mustern, die längst nicht mehr passen.

Wenn du dich selbst nicht ernst nimmst

Das Problem ist selten mangelnde Erkenntnis. Viel häufiger ist es die Gewohnheit, sich selbst zu relativieren. Die eigenen Grenzen werden kleingeredet, die innere Müdigkeit rationalisiert. Man sagt sich, dass es schon noch geht. Dass andere es schließlich auch schaffen. Dass man sich nicht so anstellen sollte.

Doch Hochsensibilität bedeutet nicht nur, mehr wahrzunehmen. Sie bedeutet auch, schneller an die eigenen Grenzen zu kommen, wenn man dauerhaft über sie hinweggeht. Wer ständig funktioniert, sich anpasst und die eigenen Bedürfnisse hintenanstellt, zahlt dafür einen Preis – oft schleichend, aber zuverlässig.

Die leise Selbstverletzung im Alltag

Viele Frauen formulieren es harmlos: „Ich halte das aus.“ Oder: „Es ist ja nicht immer so.“ Oder: „Ich will niemanden verletzen.“ Was dabei übersehen wird, ist die stille Konsequenz: Sie verletzen sich selbst. Nicht laut, nicht dramatisch, sondern leise. Tag für Tag ein kleines Stück.

Dabei geht es nicht um Schuld oder um radikale Entscheidungen. Es geht nicht darum, von heute auf morgen alles zu verändern. Es geht um Ehrlichkeit. Um die Bereitschaft, sich selbst zuzuhören und dem eigenen Empfinden zu glauben.

Dein Empfinden ist Information, kein Fehler

Wenn sich etwas in dir immer wieder eng anfühlt, schwer, leer oder müde, dann ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist Information. Dein System meldet sich. Nicht, um dich zu sabotieren, sondern um dich zu schützen.

Sich das einzugestehen, tut weh. Weil es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Nicht für das Wohlbefinden aller anderen, sondern für das eigene Leben. Für die eigene Gesundheit. Für die innere Wahrheit, die sich nicht länger übergehen lassen will.

Du darfst aufhören, dich selbst zu überhören. Du darfst ernst nehmen, was du spürst. Und du darfst Dinge verändern – Schritt für Schritt, in deinem Tempo. Der Anfang liegt darin, nicht mehr wegzuhören.

👉 Hier kannst du die Episode anhören

Zwei Fragen zur Reflexion

Wo relativierst du deine eigenen Grenzen, obwohl du längst spürst, dass es dir nicht guttut?
Was würde sich verändern, wenn du deinem inneren Empfinden mehr Glauben schenkst als deinen Erklärungen?


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Wenn das Leben mit einem Trauma beginnt

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Wie innere Freiheit entsteht, wenn der Stressmodus endet