Manchmal beginnt dein Weg genau da, wo du aussteigst
Es gibt Entscheidungen im Leben, die fühlen sich nicht wie ein Aufbruch an. Sie sind leise. Unspektakulär. Und trotzdem verändern sie alles. Oft sind es genau diese Momente, in denen wir etwas verlassen, das uns lange getragen hat – oder zumindest so gewirkt hat.
Aussteigen bedeutet nicht zwangsläufig, alles hinter sich zu lassen. Manchmal heißt es einfach, ehrlich zu werden. Zu merken, dass ein Weg, der einmal stimmig war, es heute nicht mehr ist. Und sich selbst ernst genug zu nehmen, das nicht länger zu übergehen.
Wenn etwas funktioniert, aber nicht mehr passt
Viele Frauen bleiben lange in Situationen, die nach außen stabil wirken. Ein Beruf, eine Rolle, ein Lebensentwurf. Es gibt keinen offensichtlichen Grund zu gehen. Kein Drama. Kein klar benennbares „Problem“. Und doch ist da dieses innere Ziehen, diese Müdigkeit, dieses leise Wissen: So möchte ich nicht weitergehen.
Gerade weil alles scheinbar funktioniert, wird das eigene Empfinden oft infrage gestellt. Man zweifelt an sich, nicht an der Situation. Hält durch, erklärt sich selbst, warum man dankbar sein sollte. Und überhört dabei die eigene innere Stimme immer wieder.
Aussteigen ist kein Scheitern
Sich aus etwas zu lösen, wird häufig mit Aufgeben verwechselt. Mit Schwäche oder Unbeständigkeit. Dabei braucht es oft mehr Mut, einen stimmigen Abschied zu wählen, als weiter auszuhalten. Aussteigen kann ein Akt von Selbstachtung sein. Eine Entscheidung für innere Klarheit statt äußere Sicherheit.
In unserem Gespräch wird deutlich, dass solche Entscheidungen selten spontan entstehen. Sie reifen. Der Körper meldet sich, Gefühle wiederholen sich, Gedanken kehren zurück. Irgendwann lässt sich das eigene Wissen nicht mehr übergehen.
Die Zeit nach der Entscheidung
Was nach dem Aussteigen kommt, ist nicht immer sofort Erleichterung. Oft ist da zuerst Unsicherheit. Leere. Die Frage, wie es nun weitergeht. Der alte Rahmen fehlt, der neue ist noch nicht sichtbar. Genau darin liegt jedoch auch eine besondere Qualität: Raum.
Raum, um wieder wahrzunehmen, was wirklich wichtig ist. Raum, um sich neu auszurichten, ohne sofort Antworten haben zu müssen. Vertrauen entsteht nicht, weil alles klar ist, sondern weil man sich selbst ernst genommen hat.
Der nächste Schritt zeigt sich unterwegs
Viele Wege werden erst sichtbar, wenn man den alten verlässt. Nicht, weil man unvorbereitet war, sondern weil Entwicklung nicht vollständig planbar ist. Wer aussteigt, ohne den gesamten Weg zu kennen, entscheidet sich oft nicht gegen etwas, sondern für sich selbst.
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem ein neuer Weg beginnt. Nicht laut, nicht spektakulär. Sondern ruhig, ehrlich und tragfähig.
Diese Gedanken vertiefe ich gemeinsam mit Viktoria Neumüller auch in der aktuellen Podcastfolge. Wenn du lieber hörst als liest, findest du dort das ganze Gespräch.
Zwei Fragen zur Reflexion
Wo in deinem Leben spürst du, dass etwas nicht mehr zu dir passt, auch wenn es nach außen noch funktioniert?
Was würde sich verändern, wenn du diesem inneren Wissen mehr Vertrauen schenken würdest?

