Wann erlaubst du dir, du selbst zu sein?
Es gibt Lebensphasen, in denen alles scheinbar funktioniert – und sich trotzdem etwas leer anfühlt. Nach außen ist alles stimmig: Verantwortung wird getragen, Erwartungen werden erfüllt, der Alltag läuft. Und doch bleibt im Inneren eine leise Irritation. Kein großer Konflikt, kein offensichtlicher Bruch. Eher das Gefühl, sich selbst ein Stück weit verloren zu haben.
Diese Erfahrung machen viele Frauen, insbesondere jene, die viel Verantwortung übernehmen. Sie sind aufmerksam, verlässlich und feinfühlig. Eigenschaften, die geschätzt werden – und gleichzeitig dazu führen können, dass die eigenen Bedürfnisse immer weiter in den Hintergrund rücken.
Die leise Anpassung, die wir für uns selbst halten
Anpassung beginnt früh. Wir lernen, wie wir sein sollten, um dazuzugehören. Was Anerkennung bringt. Wo wir uns zurücknehmen. Diese Prozesse laufen meist unbewusst ab. Mit der Zeit werden sie so selbstverständlich, dass wir sie nicht mehr hinterfragen.
Irgendwann verwechseln wir diese angepasste Version mit unserer Persönlichkeit. Und merken erst spät, dass das, was wir leben, nicht ganz dem entspricht, was wir innerlich spüren.
Stark sein – und sich selbst übersehen
Viele Frauen sind Meisterinnen darin, für andere da zu sein. Sie halten, tragen, organisieren und fühlen mit. Ihre Stärke wird zur Selbstverständlichkeit – auch für sie selbst. Und genau darin liegt die Gefahr: Wer immer funktioniert, wird selten gefragt, was er braucht. Und irgendwann stellt man sich diese Frage selbst nicht mehr.
Sich selbst zu sein bedeutet nicht, alles infrage zu stellen oder radikal Grenzen zu ziehen. Es geht nicht um Rückzug oder Abgrenzung um jeden Preis. Es geht um Wahrnehmung. Um Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Der Weg zurück beginnt im Inneren
Oft glauben wir, wir müssten im Außen etwas verändern, um uns wieder näherzukommen. Weniger Verpflichtungen, mehr Zeit, andere Rahmenbedingungen. Doch häufig beginnt der entscheidende Schritt viel leiser.
Mit der Frage:
Was fühlt sich für mich wirklich stimmig an – und was nicht?
Diese Frage verlangt keine sofortigen Antworten. Aber sie öffnet einen Raum. Einen Raum, in dem wir uns selbst wieder zuhören können, statt uns weiter zu übergehen.
Die Erlaubnis, man selbst zu sein
Viele Frauen warten auf einen besseren Zeitpunkt. Auf Sicherheit. Auf Zustimmung. Auf ein Zeichen von außen. Doch diese Erlaubnis kommt selten von dort. Sie ist etwas, das wir uns selbst geben müssen.
Nicht als große Entscheidung, sondern als fortlaufender Prozess. Als leise, aber klare innere Haltung: Ich verlasse mich selbst nicht mehr.
Sich selbst zu erlauben, man selbst zu sein, bedeutet nicht, alles zu verändern. Es bedeutet, sich selbst wieder ernst zu nehmen.
Zwei Fragen zur Reflexion
In welchen Momenten deines Alltags entfernst du dich am meisten von dir selbst?
Was würde sich verändern, wenn du dir innerlich erlaubst, dich wichtiger zu nehmen?

