Das innere Kind als leise Kraft im Erwachsenenleben
Viele Frauen stehen mitten im Leben, tragen Verantwortung, organisieren, halten zusammen und funktionieren. Nach außen wirkt alles stabil, manchmal sogar erfolgreich. Und doch gibt es diese stillen Momente, in denen etwas fehlt. Eine innere Leichtigkeit, ein Gefühl von Verbundenheit mit sich selbst. Oft liegt der Ursprung dafür nicht im Heute, sondern in einem Teil, der lange unbeachtet geblieben ist: dem inneren Kind.
Was wir meinen, wenn wir vom inneren Kind sprechen
Das innere Kind steht für unsere frühen Erfahrungen. Für Momente von Freude, Neugier und Unbeschwertheit, aber ebenso für Verletzungen, für Situationen, in denen wir uns nicht gesehen, nicht ernst genommen oder nicht sicher gefühlt haben. Diese Erfahrungen verschwinden nicht einfach, nur weil wir erwachsen werden. Sie wirken weiter – meist leise, aber nachhaltig.
Wie sich das innere Kind im Alltag zeigt
Das innere Kind meldet sich selten laut. Es zeigt sich eher in Überforderung, in starken emotionalen Reaktionen oder in dem Wunsch, sich zurückzuziehen. Manchmal äußert es sich in dem Gefühl, ständig leisten zu müssen, um Anerkennung zu bekommen. Oder in der Schwierigkeit, eigene Bedürfnisse klar zu benennen und Grenzen zu setzen.
Gleichzeitig trägt dieser innere Anteil auch unsere Fähigkeit zu Freude, Kreativität und Lebendigkeit in sich. Wenn wir den Kontakt zu ihm verlieren, verlieren wir oft auch den Zugang zu diesen Qualitäten.
Warum es nicht um Schuld, sondern um Wahrnehmung geht
Die Arbeit mit dem inneren Kind bedeutet nicht, in der Vergangenheit zu wühlen oder Schuldige zu suchen. Es geht vielmehr um ein aufmerksames, ehrliches Hinsehen. Um die Bereitschaft, sich selbst zuzuhören und ernst zu nehmen. Ein inneres Innehalten, das sagt: Ich sehe, was dich geprägt hat. Und ich bin jetzt da.
Sich selbst Sicherheit geben lernen
Viele von uns haben früh gelernt, Sicherheit im Außen zu suchen – durch Leistung, Anpassung oder Kontrolle. Das innere Kind zu erwecken heißt, diese Sicherheit zunehmend in sich selbst zu finden. Zu spüren, was wirklich gebraucht wird: vielleicht mehr Pausen, mehr Klarheit, mehr Selbstfürsorge oder mehr Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Eine stille Veränderung von innen heraus
Wenn wir beginnen, diesen inneren Anteil bewusst wahrzunehmen, verändert sich oft vieles. Beziehungen werden klarer, Entscheidungen ruhiger, Reaktionen weniger impulsiv. Es entsteht ein Gefühl von innerer Stabilität, das nicht von äußeren Umständen abhängig ist.
Dieser Weg ist kein schneller Prozess. Er ist ein behutsames Annähern an sich selbst. Und er beginnt mit der Entscheidung, sich nicht länger innerlich zu verlassen, sondern sich wieder zuzuwenden.
Wenn du dieses Thema vertiefen möchtest, lade ich dich ein, auch die dazugehörige Podcast-Episode anzuhören. Dort spreche ich noch einmal ruhig und ausführlich darüber, wie sich der Kontakt zum inneren Kind im Alltag entwickeln kann.
Zwei Fragen zur Reflexion
In welchen Momenten spürst du, dass ein jüngerer Teil in dir Aufmerksamkeit braucht?
Was würde sich verändern, wenn du dir selbst heute das gibst, was dir früher gefehlt hat?

