This is me – warum Visualisierung auch anders gehen darf
Visualisierung gilt oft als kraftvolles Werkzeug, um Ziele zu erreichen und Zukunft zu gestalten. Man stellt sich vor, wie das eigene Leben einmal aussehen soll, wie man sein möchte, was man erreicht haben will. Für viele Menschen funktioniert das. Für andere jedoch entsteht dabei ein subtiler innerer Druck.
Gerade feinfühlige und reflektierte Frauen erleben Visualisierung nicht selten als zusätzliche Anforderung. Das innere Bild der „besseren Zukunft“ steht dann im starken Kontrast zum gelebten Alltag. Statt Orientierung entsteht Distanz zum eigenen Erleben.
Wenn innere Bilder mehr Druck als Klarheit erzeugen
Klassische Visualisierungen sind häufig stark leistungs- und zielorientiert. Sie setzen voraus, dass wir wissen, wo wir hinwollen, und dass dieses Ziel innerlich motivierend wirkt. Doch was, wenn genau das nicht der Fall ist?
Was, wenn das zukünftige Ideal sich fremd anfühlt oder den Eindruck verstärkt, nicht richtig zu sein, so wie man gerade ist? In solchen Momenten kann Visualisierung ihre unterstützende Wirkung verlieren und stattdessen innere Spannung erzeugen.
Visualisierung als Kontakt mit dem Jetzt
Aus dieser Beobachtung heraus ist eine andere Form der Visualisierung entstanden. Eine, die nicht nach vorne schaut, sondern nach innen. Nicht mit der Frage: Wie will ich sein?, sondern mit der schlichten Hinwendung zu dem, was gerade da ist.
„This is me“ beschreibt keine feste Identität, sondern einen Moment von Ehrlichkeit. Wer bin ich jetzt, in diesem Lebensabschnitt? Welche Gefühle, Qualitäten und inneren Bewegungen prägen mich aktuell? Diese Form der Visualisierung erschafft kein Bild – sie lässt eines entstehen.
Präsenz statt Selbstoptimierung
Für hochsensible Menschen liegt hierin oft eine große Entlastung. Es muss nichts erreicht und nichts verändert werden, um „richtig“ zu sein. Die innere Arbeit beginnt mit Wahrnehmung, nicht mit Optimierung.
Aus diesem ruhigen Kontakt mit sich selbst kann Entwicklung entstehen. Nicht als Ziel, das verfolgt wird, sondern als natürliche Bewegung, die sich zeigt, wenn wir uns selbst ernst nehmen. Visualisierung wird so zu einer Haltung der Präsenz und Selbstverbundenheit.
Eine Einladung zur Selbstwahrnehmung
Diese neue Art der Visualisierung ist kein Werkzeug im klassischen Sinn. Sie ist eine Einladung, innezuhalten und sich selbst zu begegnen. Ohne Bewertung, ohne Druck, ohne Zukunftsversprechen.
Vielleicht liegt genau darin ihre Kraft: nicht darin, jemand anderes zu werden, sondern darin, sich selbst näherzukommen.
Zwei Fragen zur Reflexion
Was verändert sich in mir, wenn ich mich nicht auf ein zukünftiges Ideal ausrichte, sondern auf mein jetziges Erleben?
Welche Qualitäten lebe ich bereits, ohne sie bewusst wahrzunehmen?

