Die Sehnsucht nach „That Girl“

Der Begriff „That Girl“ taucht immer häufiger auf. Er beschreibt eine Frau, die scheinbar mühelos durchs Leben geht: strukturiert, gesund, präsent, bei sich. Viele Frauen spüren beim Anblick solcher Bilder eine Mischung aus Bewunderung und leiser Selbstkritik. Die Frage liegt nahe: Wie wird man so? Und noch wichtiger: Sollte man das überhaupt wollen?

Hinter dieser Sehnsucht steckt selten der Wunsch nach perfekten Routinen. Meist geht es um etwas Tieferes. Um innere Ruhe, Klarheit und das Gefühl, sich selbst nicht ständig hinterherzulaufen.

Warum äußere Routinen nicht ausreichen

Oft wird suggeriert, man müsse nur die richtigen Gewohnheiten etablieren. Früh aufstehen, meditieren, Sport treiben, den Tag durchplanen. Doch viele Frauen erleben, dass diese Strategien nur kurzfristig tragen. Nicht, weil sie unfähig wären, sondern weil sie versuchen, im Außen zu beginnen.

Was dabei übersehen wird: Verhalten ist immer Ausdruck eines inneren Zustands. Wenn dieser Zustand von Druck, Vergleich oder Selbstkritik geprägt ist, werden auch die schönsten Routinen irgendwann zur Last. Dann fühlt sich Selbstdisziplin nicht stärkend an, sondern erschöpfend.

Persönlichkeit ist kein Projekt

Persönlichkeit lässt sich nicht konstruieren wie ein Wochenplan. Sie entsteht aus Beziehung. Aus der Beziehung zu sich selbst. Eine Frau, die ruhig wirkt und klar handelt, hat meist gelernt, sich zuzuhören. Sie weiß, wann etwas stimmig ist – und wann nicht. Sie nimmt ihre Grenzen ernst und richtet ihr Leben nicht ausschließlich nach äußeren Erwartungen aus.

Gerade hochsensible Frauen haben dafür ein feines Gespür. Doch viele haben früh gelernt, dieses innere Wissen zu übergehen. Anpassung war oft sicherer als Authentizität. Das zeigt sich später in dem Wunsch, jemand anderes zu sein, statt den eigenen Ausdruck zu vertiefen.

Vom Ideal zur inneren Ausrichtung

Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Tun, sondern im Motiv. Handle ich, um einem Bild zu entsprechen? Oder handle ich aus innerer Übereinstimmung heraus? Diese Frage verändert alles. Denn sobald der Fokus von Selbstoptimierung auf Selbstbeziehung wechselt, entsteht etwas, das von außen oft als „stark“ oder „klar“ wahrgenommen wird.

Diese Klarheit ist kein Dauerzustand. Sie ist auch nicht perfekt. Sie schließt Müdigkeit, Zweifel und Ambivalenz mit ein. Doch sie basiert auf Ehrlichkeit sich selbst gegenüber – und genau das verleiht ihr Stabilität.

Innere Ordnung statt perfekter Kontrolle

Was viele an der sogenannten „That Girl“-Ausstrahlung bewundern, ist keine Disziplin, sondern innere Ordnung. Ein Leben, das nicht ständig gegen die eigenen Bedürfnisse organisiert ist. Diese Ordnung lässt sich nicht erzwingen. Sie entwickelt sich, wenn man beginnt, sich selbst ernst zu nehmen und Verantwortung für das eigene Innenleben zu übernehmen.

Das ist kein schneller Weg. Es ist ein stiller Prozess des Weglassens: weniger Rollen, weniger Vergleich, weniger Druck. Und mehr Ausrichtung auf das, was wirklich trägt.

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Zwei Fragen zur Reflexion

Welche Teile deines Alltags fühlen sich wirklich nach dir an – und welche eher nach einem Ideal?
Was würde sich verändern, wenn du dir selbst etwas mehr zuhören würdest, statt dich weiter zu optimieren?


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Es wird Zeit, nach Hause zu gehen

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Wie lange können wir wirklich stark sein, bis wir ausbrennen?