Lions Gate – und warum du nicht darauf hören musst, was andere darüber sagen
Rund um bestimmte spirituelle oder astrologische Zeitfenster entsteht oft eine eigentümliche Spannung. Plötzlich scheint alles aufgeladen, bedeutungsschwer, voller Erwartungen. Das sogenannte Lions Gate ist eines dieser Phänomene. Es wird als Tor beschrieben, als Moment besonderer Kraft, als Gelegenheit für Durchbrüche, Manifestation und große Entscheidungen.
Für viele Frauen, die fein wahrnehmen und sich selbst gut spüren, ist genau das jedoch nicht stärkend, sondern verunsichernd.
Wenn kollektive Deutungen lauter werden als die eigene Wahrnehmung
Sobald von außen definiert wird, was diese Zeit „mit dir macht“ oder was jetzt „dran“ ist, verschiebt sich etwas. Ein innerer Druck entsteht. Die Frage taucht auf, ob man etwas verpasst, wenn man gerade keine Klarheit spürt, keine Energie, keinen Impuls für Veränderung.
Dabei geht oft verloren, was eigentlich da ist: die eigene Realität. Dein Körper, dein Nervensystem, deine Lebensumstände folgen keinem kosmischen Fahrplan. Sie reagieren auf Erfahrungen, auf Sicherheit, auf Überforderung, auf Reifeprozesse, die sich nicht terminieren lassen.
Kein Zeitfenster kennt dein Nervensystem
So kraftvoll manche Bilder und Erzählungen auch sind – sie wissen nichts über dich. Sie kennen weder deine Geschichte noch deine aktuellen Grenzen. Wenn dein System gerade nach Ruhe, Integration oder Stabilität ruft, dann ist das nicht weniger richtig, nur weil irgendwo von Aufbruch gesprochen wird.
Problematisch wird es dann, wenn diese äußeren Konzepte dich dazu bringen, dich selbst zu übergehen. Wenn du dich antreibst, obwohl alles in dir langsamer werden möchte. Oder wenn Entscheidungen nicht aus Klarheit entstehen, sondern aus der Angst, einen besonderen Moment zu verpassen.
Deine Zyklen sind individuell
Es gibt keine Tage, an denen du „näher bei dir“ bist als an anderen, nur weil sie kollektiv aufgeladen sind. Entwicklung geschieht nicht durch Zeitpunkte, sondern durch innere Sicherheit. Manchmal ist der stimmigste Schritt kein Handeln, sondern ein bewusstes Nicht-Tun.
Spirituelle Konzepte dürfen Angebote sein. Inspirationen. Gedankenräume. Aber sie sind keine Autorität über deiner eigenen Wahrnehmung.
Die entscheidende Frage ist nicht, was gerade „energetisch dran“ ist
Die entscheidende Frage ist, ob dich etwas weiter zu dir hinführt oder von dir weg. Enge, Druck und Selbstzweifel sind keine Wegweiser – egal wie schön sie verpackt sind. Deine innere Stimme ist kein Zusatz zu äußeren Erklärungen. Sie ist der Maßstab.
Vielleicht liegt die eigentliche Einladung solcher Zeiten nicht darin, etwas Bestimmtes zu tun, sondern darin, immer feiner zu unterscheiden: Was ist wirklich meins – und was ist nur ein lautes Außen?
Zwei Fragen zur Reflexion
Was passiert, wenn du kollektive Deutungen für einen Moment ausblendest?
Und wie würde sich dein nächster Schritt anfühlen, wenn nur deine eigene Wahrnehmung zählt?

